Mit Achtsamkeit der Depression begegnen – achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT) und Achtsames Selbstmitgefühl (MSC)

Achtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Augenblick und das gegenwärtige Erleben zu lenken. Diese »Präsenz« ist ein wichtiger Weg aus automatisch ablaufenden negativen Gedanken, Gefühlen und Bewertungen. Die achtsame Grundhaltung ist frei von Wertung, freundlich und annehmend – sich selbst und der gegenwärtigen Erfahrung gegenüber.

Die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie oder MBCT (Abk. von englisch: Mindfulness-Based Cognitive Therapy) ist ein Trainingsprogramm in der Gruppe zur Vorbeugung von depressiven Rückfällen bei Menschen, die bereits mehrere depressive Episoden erlebt haben. Das achtwöchige Kursprogramm umfasst die Einübung von Achtsamkeit sowie Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie, die speziell auf Menschen mit der Neigung zu Depressionen abgestimmt sind.

MBCT ist für Menschen geeignet, die schon drei oder mehr depressive Episoden erlitten haben, gegenwärtig aber nicht akut depressiv sind. Zentral ist die Motivation, mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Wer sich zu einem MBCT-Kurs anmeldet, geht eine Selbstverpflichtung ein: In den acht Wochen sind täglich 45 Minuten selbständig zu Hause zu üben. Die Teilnahme am MBCT-Programm setzt ein ausführliches Vorgespräch mit der Kursleiterin voraus.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – eine Gruppe besteht aus acht bis zwölf Personen – lernen an acht Kursabenden und einem Achtsamkeitstag, ihre eigenen depressionsfördernden Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und sie ohne Bewertung oder Ablehnung zu beobachten. Die Übungen dienen der systematischen Entwicklung von Konzentration und Achtsamkeit auf den Atem, Körperempfindungen, Gedanken und Emotionen. Gleichzeitig wird die freundliche, nicht vergleichende und akzeptierende Haltung der Achtsamkeit entwickelt und geübt. So lässt sich das Verständnis dafür verbessern, wie depressive Entwicklungen entstehen. Das Training umfasst Achtsamkeitsmeditationen im Sitzen, Liegen und Gehen sowie sanfte und auch bei körperlichen Einschränkungen gut durchführbare Übungen aus dem Hatha-Yoga.

Inhaltlich werden Themen behandelt wie: Der »Autopilot« – automatisierte gedankliche Abläufe und Gewohnheiten, Umgang mit schwierigen Gedanken und Gefühlen, Selbstkonzepte und -bewertungen, wichtige persönliche Ziele, Selbstfürsorge und das Erkennen und Abwenden eines möglichen depressiven Rückfalls. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, wie sich die erlernten Fähigkeiten in den Alltag übertragen lassen. Ein individuelles Nachgespräch bildet den Abschluss des Kurses. Als Übungsmaterial erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer CDs und schriftliche Unterlagen.

Das MBCT-Training wurde von den Professoren Segal, Teasdale und Williams speziell zur Vorbeugung depressiver Rückfälle entwickelt, weil diese auch bei vollständiger Genesung von einer depressiven Episode viel zu häufig eintreten. Studien belegen, daß ein MBCT-Training dieses Rückfallrisiko deutlich verringern kann. Nähere Informationen hierzu finden sich unter: www.mindfulexperience.org. MBCT basiert auf einem von Prof. Jon Kabat-Zinn entwickelten Programm zur achtsamkeitsbasierten Stressbewältigung (MBSR). Langzeitstudien zeigen, daß MBSR zu mehr Selbstakzeptanz beitragen kann, das Schmerzerleben positiv verändert und dabei hilft, Stress abzubauen und Beziehungen positiver zu gestalten.