Achtsamkeit und Mitgefühl – Meditationskurse

Wir brauchen uns nicht auf die Suche nach Liebe zu machen, sondern sollten eher in Ruhe der Liebe erlauben, uns zu entdecken.

John O'Donohue

Achtsamkeit und Mitgefühl sind wie die beiden Flügel eines Vogels, die zusammen inneres Wachstum ermöglichen. Achtsamkeit lässt uns erkennen, was gerade ist, und Mitgefühl ermöglicht uns einen angemessenen Umgang damit.

Der Meditationslehrer Thich Nhat Hanh drückt es so aus: Je mehr du verstehst, umso mehr liebst du. Je mehr du liebst, umso mehr verstehst du. Dies sind zwei Seiten der gleichen Realität. Der liebende und der verstehende Geist sind ein und derselbe.

Für Menschen, die schon mehrere depressive Episoden erlebt haben, bietet der MBCT-Kurs zur achtsamkeitsbasierten kognitiven Therapie der Depression (engl. Mindfulness-based Cognitive Therapy) eine Möglichkeit, Achtsamkeitspraxis zu erlernen und damit Rückfällen wirksam vorzubeugen.

Achtsames Selbstmitgefühl bedeutet, in den Momenten, in denen wir leiden, für uns selbst so zu sorgen, wie wir es für einen geliebten Menschen tun würden. Selbstmitgefühl kann jeder Mensch erlernen – sogar Menschen, die in ihrer Kindheit nicht genügend Zuneigung bekamen oder die es vielleicht beschämend finden, sich selbst gegenüber freundlich zu sein. Der MSC-Kurs zum achtsamen Selbstmitgefühl (engl. Mindful Self-Compassion) bietet allen Interessierten hierzu die Gelegenheit.

Mit Achtsamkeit der Depression begegnen – achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT)

Achtsamkeit bedeutet, sich bewusst auf den gegenwärtigen Augenblick und das gegenwärtige Erleben auszurichten. Dieses »Gewahrsein« ist ein wichtiger Weg aus automatisch ablaufenden negativen Gedanken, Gefühlen und Bewertungen. Die achtsame Grundhaltung ist freundlich, annehmend und weitgehend frei von Bewertungen – sich selbst und der gegenwärtigen Erfahrung gegenüber.

MBCT ist ein achtwöchiges Trainingsprogramm in der Gruppe (8–12 TeilnehmerInnen). Es umfasst die Einübung von Achtsamkeit und Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie. MBCT ist für Menschen geeignet, die schon depressive Episoden oder andere psychosomatische Störungen (z. B. hartnäckige Ängste, Zwänge oder Schmerzen) erleben mussten, die gegenwärtig aber nicht akut depressiv sind. Zentral ist die Motivation, mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen, d. h. die Selbstverpflichtung, während des Kurses täglich ca. 45 Minuten zu üben. Die Teilnahme am MBCT-Programm setzt ein ausführliches Vorgespräch mit der Kursleiterin voraus.

Das Training umfasst Achtsamkeitsmeditationen im Sitzen, Liegen und Gehen sowie sanfte und auch bei körperlichen Einschränkungen gut durchführbare Übungen aus dem Hatha-Yoga. Die TeilnehmerInnen lernen, ihre depressionsfördernden Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen. Die Übungen dienen der systematischen Entwicklung von Konzentration und Achtsamkeit auf den Atem, Körperempfindungen, Gedanken und Emotionen. Dabei wird die freundliche, nicht vergleichende und akzeptierende Haltung der Achtsamkeit entwickelt und geübt. Als Übungsmaterial erhalten die TeilnehmerInnen Audio-Aufnahmen und schriftliche Unterlagen.

Das MBCT-Training wurde von den Professoren Segal, Teasdale und Williams entwickelt. Wissenschaftliche Studien belegen, dass ein MBCT-Training das Rückfallrisiko bei Depressionen deutlich verringern kann. Der Kurs basiert auf dem Programm zur achtsamkeitsbasierten Stressbewältigung (Mindfulness-based Stress Reduction, MBSR) nach Jon Kabat-Zinn.

Hier können Sie den Flyer mit ausführlicheren Informationen und den Kursdaten herunterladen. Es finden jährlich je ein MBCT-Kurs im Frühjahr und im Herbst statt.

Innere Stärke durch achtsames Selbstmitgefühl (MSC)

Achtsames Selbstmitgefühl umschreibt eine gütige und weise Art mit uns selbst umzugehen, wenn wir leiden. Selbstmitgefühl gibt emotionalen Rückhalt, um uns unsere Schwächen einzugestehen und zu vergeben, uns mit Güte zu motivieren, mit ganzen Herzen mit anderen in Beziehung zu treten und auf authentische Weise wir selbst zu sein. Die mutige geistige Haltung des Selbstmitgefühls macht uns widerstandsfähiger, auch gegenüber dem selbst zugefügten Schaden etwa durch zu viel Arbeit, Essen, Grübeln oder Selbstvorwürfe. So können überhöhte Ansprüche und innere Härte durch inneren Halt und Selbstfürsorge ersetzt werden. Die Resilienz, um sich rascher von emotionalen Schwierigkeiten zu erholen, wird gestärkt. Konflikte können konstruktiver gelöst werden durch verbesserte emotionale Verbundenheit, Toleranz und innere Bereitschaft zu vergeben. Vitalität, Lebensfreude, Kreativität und Neugierde stellen sich ein.

Das MSC-Programm wurde als evidenzbasierter 8-Wochen-Kurs von Prof. Dr. Kristin Neff und Dr. Christopher Germer in den USA auf der Grundlage östlicher Weisheitstraditionen entwickelt. Die förderliche Wirkung von MSC für Wohlbefinden und psychische Stabilität gilt mittlerweile durch die Forschung als gut belegt. Während die Ansicht, nur mit einer kritischen Haltung könne man es zu etwas bringen, weit verbreitet ist, zeigen Forschungsergebnisse, dass Selbstmitgefühl wesentlich besser geeignet ist, uns zu motivieren, Widerstände zu überwinden und Veränderungen vorzunehmen, um unser Potenzial zu entfalten.

Der MSC-Kurs besteht aus Meditationen, kurzen Vorträgen, Selbsterfahrungsübungen, Austausch in der Gruppe und Übungen für zu Hause. Der Kurs ist auch für Menschen geeignet, die schon Meditationserfahrung haben und einen frischen Zugang zur Meditation kennenlernen möchten. Vorerfahrungen in Meditation oder Achtsamkeit sind aber nicht nötig. Bevor Teilnehmer sich anmelden, sollten sie sich fest vornehmen, an jeder Sitzung teilzunehmen und Achtsamkeit oder Selbstmitgefühl in den acht Wochen des Kurses jeden Tag für mindestens 30 Minuten selbständig zu Hause zu üben.

MSC ist eine Reise mit vielfältigen Herausforderungen. Mitgefühl hat eine beruhigende und tröstende Wirkung, während es paradoxerweise auch den emotionalen Schmerz zugänglicher macht. Während der Selbstmitgefühlspraxis können belastende Gefühle auftauchen, die sich in dem unterstützenden und sicheren Rahmen des Kurses entfalten und auf diese Weise Heilung erfahren können. Das Training ist keine Psychotherapie, da der Schwerpunkt darin liegt, emotionale Ressourcen aufzubauen und nicht darin, sich mit alten Verletzungen auseinander zu setzen.

Hier können Sie den Flyer mit ausführlicheren Informationen und den aktuellen Kursdaten herunterladen. Es findet jährlich ein MSC-Kurs im Herbst statt.